Mercedes behauptet, der neue CLA sei die Zukunft auf Rädern. Ich habe eine Probefahrt mit der glänzenden, blau-silbernen Version des neuen Mercedes-Benz CLA 220 mit Frontantrieb unternommen, um herauszufinden, ob diese Behauptung stimmt. Ist er die ultimative Lifestyle-Limousine oder nur ein Smartphone auf Rädern, das für jede Kleinigkeit monatlich Gebühren verlangt? Lesen Sie weiter.
Wenn jemand zu mir käme vor zwanzig Jahren sagte erWenn ich in einem Mercedes-Benz säße, der keinen großen, saugierenden V8-Motor unter der Haube hat, sondern einen winzigen Mixer, und das Auto mir die Nutzung der Smartphone-Navigation in Rechnung stellen will, würde ich es wahrscheinlich auslachen und mir noch ein Bier bestellen. Aber willkommen in der Gegenwart. Mercedes-Benz CLA 220 ist hier und verkörpert genau das – ein wunderschönes, unglaublich modernes und in mancher Hinsicht extrem frustrierendes Stück Automobilkunst.

Für den Test konnten wir den frontgetriebenen CLA 220 in die Hände bekommen. (FWD)Lackiert in einem fantastischen, tiefblauen Silber, das in der Sonne schimmert wie die Oberfläche des Mittelmeers an einem perfekten Sommertag. Und ich muss gleich zu Beginn zugeben: Dieses Auto ist ein optisches Meisterwerk. Mit einer Länge von 4,72 Metern und der charakteristisch abfallenden Coupé-Dachlinie ist diese Limousine ein echter Hingucker. Der Kühlergrill, der bei unserer Benzinversion klassisch offen für die Lufteinlässe ist (anders als bei der elektrischen EQ-Version, die nur eine Kunststoffabdeckung besitzt), ist mit winzigen Mercedes-Sternen übersät. Er wirkt aggressiv, aber gleichzeitig unglaublich elegant. Die Felgen sind ein wahrer Prestige-Boost, und die gesamte Silhouette schreit förmlich danach, vor dem teuersten Hotel der Stadt geparkt zu werden. Nur um Sie aussteigen zu sehen. Aber es scheint, als wären es zu viele Sterne auf dem Auto. Und als wolle Mercedes sicherstellen, dass man die Sterne auch nicht übersieht.

Mercedes-Benz CLA Interieur: Zen-Garten oder digitale Falle?
Wenn man die Türen des Mercedes-Benz CLA öffnet – die übrigens rahmenlos sind, was dem Fahrzeug stets einen echten Coupé-Charme verleiht –, wird man von einem Interieur empfangen, das man leicht mit dem Cockpit eines von dem Unternehmen entworfenen Raumschiffs verwechseln könnte. ApfelUnser Testwagen war mit einer optionalen Armaturenbrettverkleidung ausgestattet, die Mercedes „Papierholz“ nennt. Es handelt sich um ein strukturiertes, mattes Material, das an einen japanischen Zen-Garten erinnert. Und es wirkt tatsächlich beruhigend. Solange man die Bildschirme nicht berührt, versteht sich.

Die Digitalisierung ist hier vollendet. Riesige, hochauflösende Bildschirme säumen den Raum, alles ist berührungsempfindlich (sogar die Lautstärkeregler), und zum Glück gibt es wieder die physischen Tasten am Lenkrad für den Tempomat. Gott sei Dank! Doch hier verwandelt sich die Oase der Ruhe schnell in einen kapitalistischen Albtraum. Man möchte nutzen Apple CarPlay oder Android Auto„Aber sicher, bitte geben Sie Ihre Kreditkartennummer ein.“ Die meisten grundlegenden Konnektivitätsfunktionen und Apps im Auto sind kostenpflichtig oder erfordern ein monatliches Abonnement. Das ist, als würde man eine Luxusvilla für Millionen von Euro kaufen, aber jedes Mal eine Zwei-Euro-Münze in den Türspalt werfen müssen, um die Toilette zu benutzen. Absolut inakzeptabel für ein Auto dieser Preisklasse.


Zum Thema Weltraum: Die Vordersitze sehen mit ihrem hochwertigen Artico-Kunstlederbezug toll aus, bieten aber leider wenig Sitztiefe und Oberschenkelauflage. Größere Personen haben eher das Gefühl, auf dem Auto zu sitzen als darin. Der größte Vorteil dieser Benzinversion gegenüber dem Elektromodell liegt im Fond. Da keine große Batterie im Fahrzeugboden verbaut ist, verfügt der CLA über sogenannte „Fußgaragen“ – tiefe Vertiefungen für die Füße. Dadurch sitzen Erwachsene im Fond deutlich bequemer und natürlicher. Der Kofferraum bietet mit 405 Litern ein ordentliches Volumen, ausreichend für zwei Koffer und Golfausrüstung. Auch für Skiausrüstung ist genügend Platz.

Unter der Haube: Viel Lärm um nichts und ein ruckartiges Getriebe.
Nun zur Mechanik. Neu Der CLA 220 wird von einem völlig neuen 1,5-Liter-Vierzylinder-Mildhybridmotor angetrieben.Der Allradantrieb treibt ausschließlich die Vorderräder an. Die Leistungswerte sind durchaus ansehnlich: 155 kW (211 PS) und ein sattes Drehmoment von 300 Nm. Dieser Flitzer beschleunigt in respektablen 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 240 km/h. Dank der Mild-Hybrid-Technologie kann der Motor bei Bergabfahrten komplett abgeschaltet werden, sodass das Fahrzeug segelt. Dies wirkt sich positiv auf den Verbrauch aus, der insgesamt sehr moderat ist. 6 Liter pro 100 Kilometer.
Das Auto vermittelt ständig den Eindruck, als würde der Motorklang künstlich über die Lautsprecher verstärkt, was stark an das „Motortheater“ von AMG erinnert – nur ist der CLA 220 eben kein AMG. Das Problem ist nicht, dass der Klang an sich unangenehm ist, sondern dass er angesichts des Charakters des Wagens übertrieben wirkt. Der Wagen will aggressiver, dramatischer und muskulöser klingen, als er tatsächlich ist, wodurch eine etwas merkwürdige Diskrepanz zwischen dem, was man hört, und dem tatsächlichen Fahrgefühl entsteht.


Ein kleines Problem ist das neue Doppelkupplungsgetriebe. Bei zügiger Fahrt auf Landstraßen oder Autobahnfahrten ist es hervorragend. Doch im Stadtzentrum, bei niedrigen Geschwindigkeiten, beim Rangieren auf Parkplätzen oder im Stau reagiert es äußerst nervös. Das Auto ruckelt beim Anfahren unschön, wie ein Hund, der zu stark an der Leine zieht. Von einer Limousine mit einem Stern auf der Motorhaube erwarte ich einfach ein sanfteres und komfortableres Fahrgefühl in der Stadt.
Lichtblick: Fahrverhalten und Chassis
Um nicht zynisch zu klingen, muss ich zugeben, dass das Beste am Fahrwerk ist. Hier beweist Mercedes, dass sie ihr Handwerk immer noch verstehen. Obwohl der Antrieb nur auf die Vorderräder übertragen wird, mussten die Ingenieure keine brettharte Federung einbauen, um die Masse zu bändigen, wie es bei schweren Elektroautos oft der Fall ist. Benzin Mercedes-Benz CLA Die 220er ist deutlich leichter, wodurch das Fahrwerk fantastisch abgestimmt ist.
In Kurven ist der Wagen überraschend agil und leicht, die Lenkung direkt und präzise – fast schon sportlich. Gleichzeitig schlucken die Stoßdämpfer Unebenheiten mit der für Mercedes typischen, sanften Dämpfung. Dieses Auto ist ideal für lange Fahrten, auch wenn Ihr Beifahrer (oder Ihre „Beifahrerprinzessin“) nach zwei Stunden keine Beschwerden hat. Der blaue CLA fährt geschmeidig, komfortabel und vor allem mit viel Spaß durch die Kurven. Er ist fast ein Fahrerauto. Nicht ganz, aber fast.
Endgültiges Urteil: Liebe mit Vorbehalten
Neue Mercedes-Benz CLA Der 220 FWD ist ein Auto der Gegensätze. Sein Äußeres in Blausilbermetallic ist schlichtweg atemberaubend, während Fahrwerk und Fahrdynamik zur Klassenspitze gehören. Dank seines geringen Gewichts im Vergleich zu Elektroalternativen ist er nach wie vor das richtige Auto für Fahrer, die klassische Fahrdynamik schätzen. Der Verbrauch ist niedrig. Im Testdurchschnitt lag er unter [Wert fehlt]. 6 lDer Grundpreis für den gewählten Motor liegt bei rund 52.000 Euro, aber mit einem Kreuz auf der Liste der Zusatzausstattungen – und daran mangelt es nicht – nähert er sich schnell und gefährlich 68.000 Euro (so viel kostet die Edition 1).
Doch die Schattenseiten lassen sich kaum ignorieren. Das nervöse Getriebe nervt schnell, besonders bei Stadtverkehr und beim Einparken, und der künstliche Motorenlärm im Innenraum wirkt angesichts der PS-Zahl, der Beschleunigung und des allgemeinen Charakters des Wagens wie ein billiges Kindertheater. Und dann ist da noch diese digitale Arroganz – die Tatsache, dass man in einem so teuren Auto monatliche Abos für die Verbindung mit dem eigenen Smartphone (Apple CarPlay/Android Auto) zahlen muss, macht mich einfach wütend. Die Chinesen bieten für diesen Preis ein Auto mit 650 PS, Vollausstattung und acht Jahren Garantie.
Würdest du es kaufen? Das Aussehen, die umwerfende Farbe und das fantastische Fahrwerk würden mich ernsthaft in Erwägung ziehen lassen. Aber jedes Mal, wenn das Getriebe im Verkehr ruckelte oder mir der Bildschirm ein „günstiges Monatsabo“ für eine App anbot, würde ich wohl laut fluchen. Der CLA ist schön, brillant und frustrierend zugleich. Er ist genau das, was ein wahrer moderner deutscher Verführer sein sollte – er verlangt dein Geld, er verlangt deine Geduld, und am Ende stiehlt er dir doch das Herz.





