Vergessen Sie die Touristenmassen von Rom, Venedig und Florenz. Italien birgt kleine Städte an den Seen, am Meer und in den Hügeln, wo die Zeit langsamer vergeht, Espresso besser schmeckt und die Aussichten geradezu unverschämt fotogen sind.
Italien ist der Meister der großen Spektakel: Rom Venedig birgt mehr Geschichte als die durchschnittliche Bibliothek, ist selbst bei Regen romantisch, und Florenz vermag es, einen davon zu überzeugen, dass man die Renaissance unbedingt kennenlernen muss. Doch der wahre Zauber entfaltet sich oft anderswo – in kleinen Städten, wo sich die Gassen zwischen Steinhäusern hindurchschlängeln, die Häfen nach Salz duften und die Seen die Alpen spiegeln.
Suchen Sie nach Inspiration für Ihren nächsten Italienurlaub? Diese kleinen Städte sind die perfekte Alternative zu den bekannteren Reisezielen. Sie sind malerisch, überschaubar genug, um sie in Ruhe zu erkunden, und so beeindruckend, dass man an jeder Sehenswürdigkeit den Speicherplatz auf dem Handy überprüfen möchte. Spoiler: Das wird nicht nötig sein.
Bellagio: Königin des Comer Sees
Bellagio liegt an der Stelle, wo sich der Comer See in drei Arme teilt, und bietet dadurch einen fast schon unfairen Ausblick. Enge Gassen, blumengeschmückte Balkone, elegante Villen und eine Uferpromenade bilden ein Bild, das auf jeder Touristenpostkarte nur allzu gern als Vorlage dienen würde.
Am besten erlebt man Bellagio ohne strengen Plan: ein Spaziergang durch die Altstadt, ein Kaffee auf dem Platz, ein Besuch der Gärten der Villa Melzi und anschließend eine Fährfahrt, um Bellagio vom Wasser aus zu sehen. Denn natürlich genügt es nicht, nur aus der Nähe schön zu sein.

Varenna: die romantische und ruhigere Schwester von Bellagio
Ebenfalls am Comer See liegt Varenna, ruhiger, intimer und ideal für alle, die Romantik suchen, ohne sich wie in einem überfüllten Touristenort zu fühlen. Liebesspaziergang ist ein Spazierweg am Seeufer, dessen Name schon vermuten lässt, dass Zynismus hier kaum eine Chance hat.
Es lohnt sich auch, es zu sehen Villa Monastero mit botanischen Gärten und Aufstieg zu Schloss Vezio, woraus sich eine jener Ansichten ergibt, die einen still philosophisch werden lassen – oder einfach nur großen Appetit auf Gelato.

Portofino: Ein kleiner Hafen mit großem Ego
Portofino ist klein, farbenfroh und glamourös. Sein Hafen mit den bunten Häusern, Booten und den grünen Hügeln im Hintergrund ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Liguriens. Der Ort genießt zwar den Ruf eines exklusiven Reiseziels, hat sich aber dennoch den Charme eines ehemaligen Fischerdorfes bewahrt – nur dass die Boote heutzutage, um es diplomatisch auszudrücken, etwas teurer sind.
Ein Spaziergang am Hafen ist ein Muss. Dann hinauf nach Castella BrownBesuchen Sie die Kirche San Giorgio Genießen Sie den Blick auf das Ligurische Meer. Für den vollen Eindruck empfiehlt sich eine Bootsfahrt, denn die wahre Dramatik der Küste offenbart sich oft erst vom Wasser aus.

Civita di Bagnoregio: eine Märchenstadt auf einem Felsen
Civita di Bagnoregio ist eine jener Städte, die wie von einem Künstler nach einem guten Glas Wein entworfen wirken. Sie liegt auf einem felsigen Plateau und ist durch eine lange Fußgängerbrücke mit der Umgebung verbunden. Schon die Ankunft ist ein Erlebnis: Vor einem breitet sich der Anblick einer mittelalterlichen Stadt aus, die scheinbar der Zeit, dem Wetter und wohl auch städtebaulichen Vorschriften trotzt.
Im Inneren erwarten Sie Steinstraßen, blumenreiche Innenhöfe, kleine Bars und ein zentraler Platz mit einer Kirche. San DonatoFür den Besuch wird eine Gebühr erhoben, aber die Aussicht und die Atmosphäre erklären schnell, warum dies eine der außergewöhnlichsten Kleinstädte Italiens ist.

Peschiera del Garda: Kanäle, Festung und Dolce Vita am See
Südlich des Gardasees liegt Peschiera del Garda, eine Stadt, die Geschichte, Wasser und eine sehr angenehme Lebensart vereint. Ihre Hauptattraktion ist die venezianische Festung, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und deren sternförmige Mauern und Kanäle die Altstadt umgeben.
Beginnen Sie bei Verona PortaFolgen Sie der Stadtmauer und lassen Sie sich dann von den Kanälen, Cafés und Eisdielen verzaubern. Peschiera ist auch ideal für Radfahrer, denn es ist Ausgangspunkt der beliebten Mincio-Route Richtung Mantua. Ein Italienurlaub, in dem man Pasta genießen und sich trotzdem sportlich betätigen kann? Eine Seltenheit!

Malcesine: mittelalterlicher Charme unter dem Monte Baldo
Malcesine am Ostufer des Gardasees zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Norditaliens: die Altstadt, der See und der imposante Monte Baldo im Hintergrund. Die Stadt wird dominiert von ScaligerburgEine Festung mit Ausblicken, die einen die Treppen fast schon in Kauf nehmen lassen.
Das beste Erlebnis ist die Fahrt mit der Seilbahn nach Monte BaldoHier erwarten Sie Panoramablicke, Wanderwege und das Gefühl, dass der Gardasee ein wahrhaft privates Naturparadies ist. Im Ort selbst erwarten Sie enge Gassen, Geschäfte, Cafés und ein Spaziergang am Wasser.

Maratea: Süditalien zwischen Bergen und Meer
Maratea ist weniger bekannt als viele andere italienische Küstenorte, aber nicht weniger reizvoll. Die Stadt liegt am Tyrrhenischen Meer und vereint eine historische Altstadt, eine wilde Küste, versteckte Strände und eine imposante Bergkulisse. Über der Stadt thront eine große Statue. Christus der RetterVon dort aus kann man einen Blick auf das Meer und die umliegenden Hügel genießen.
Es ist besonders interessant Schwarzer StrandMaratea ist ein Strand mit dunklem Vulkansand und kristallklarem Wasser und somit ideal für alle, die die Küste genießen möchten, ohne um die letzte freie Liege in Europa kämpfen zu müssen.
Apricale: ein ligurisches Dorf für Liebhaber von Kopfsteinpflasterstraßen
Versteckt in den Hügeln Liguriens liegt Apricale, das perfekte Ziel für alle, die mittelalterliche Architektur, ein künstlerisches Flair und verwinkelte Gassen lieben. Am besten lässt man sich hier einfach in den engen Gassen, zwischen den Steinhäusern und Winkeln verlieren, wo die Zeit stillzustehen scheint.
Es ragt über den Ort hinaus. Schloss der EchseApricale dient heute als Ausstellungsraum und bietet einen wunderschönen Blick auf die Olivenhaine und die umliegenden Hügel. Es ist außerdem für seine Wandmalereien und Kunstinstallationen bekannt und wirkt daher wie ein Dorf, das ganz nebenbei eine Kunstakademie absolviert hat.

Warum sollte man kleine Städte in Italien besuchen?
Die schönsten italienischen Erlebnisse findet man nicht immer in den größten Städten. Manchmal liegen sie in einem ruhigen Hafen, auf einer Steinbrücke, an einer Seepromenade oder in einem Dorf, wo man einfach nur den Treppen – und seiner Neugier – folgen muss, um eine gute Aussicht zu genießen.
Bellagio, Varenna, Portofino, Civita di Bagnoregio, Peschiera del Garda, Malcesine, Maratea und Apricale beweisen, dass Italien keine Großstädte braucht, um spektakulär zu sein. Es braucht nur etwas Sonne, ein bisschen Stein, blaues Wasser und einen guten Espresso. Das ist, ohne Zweifel, fast schon eine nationale Grundvoraussetzung.





