In einer Welt, in der Autos zu rollenden Smartphones geworden sind, haben die Koreaner das Undenkbare geschafft – sie haben physische Knöpfe zurückgebracht! Doch bevor wir uns über die Lösung für schwitzige Finger freuen, werfen wir einen Blick auf das Äußere. Der neue Hyundai Ioniq 3 ist da, und obwohl die Branche im Ausnahmezustand ist, scheint uns erneut ein etwas schizophrenes Design-Chaos bevorzustehen.
Es scheint, dass sie haben Hyundai Eine ganze Abteilung von Mitarbeitern, die jeden Morgen per Zufall entscheiden, wie ihr nächstes Auto aussehen wird. Wenn man die Modelle parkt… Ioniq 5, Ioniq 6 und nun das Neueste Hyundai Ioniq 3 Man könnte meinen, sie stammten von drei völlig verschiedenen Herstellern. Die Koreaner nennen ihre neue Designsprache „Kunst aus Stahl“, aber ehrlich gesagt, überzeugt mich dieses Design nicht. Während andere Automobiljournalisten die sogenannte aerodynamische Silhouette loben, sehe ich eine Marke, die keinen gemeinsamen Nenner zu finden scheint. „Jedes Auto erzählt seine eigene Geschichte, als säßen die Designer auf verschiedenen Kontinenten und das Management würde ihnen die Kommunikation per Zoom verbieten.“ Aber sie sind mutig! Das muss ich zugeben!

Aber man muss ihm zugestehen – langweilig ist das Auto ganz sicher nicht und hat seinen ganz eigenen Charakter. Mit einer Länge von 4.155 mm, einer Breite von 1.800 mm und einer Höhe von 1.505 mm ist es recht kompakt, dank seiner elektrischen Architektur aber dennoch äußerst geräumig. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,263 ist hervorragend, was bedeutet, dass es die Luft deutlich eleganter durchschneidet, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Am Heck prangt ein massiver Spoiler (besonders in der N Line-Ausstattung), unter dem sich 441 Liter Stauraum verbergen – darunter ein clever gestaltetes Megabox-Fach (119 Liter) unter dem Doppelboden, ideal für Ladekabel und schmutzige Schuhe.
Interieur: Lob sei der Vernunft und dem Tastsinn!
Während das Äußere durchwachsen ist, ist der Innenraum ein absoluter Volltreffer. Der Hyundai Ioniq 3 ist das erste Auto in Europa mit dem brandneuen Infotainmentsystem Pleos Connect. Dieses Betriebssystem basiert auf Android Automotive und verfügt über ein 12,9- oder 14,6-Zoll-Display – je nachdem, wie viel man ausgeben möchte. Doch das Besondere daran: Direkt unter dem Display befindet sich eine Reihe echter, physischer Tasten!





Endlich! Ein Autohersteller hat erkannt, dass Autofahrer bei 130 km/h auf der Autobahn wirklich nicht erst durch vier versteckte Menüs auf der getönten Scheibe wischen wollen, nur um die Lüftung zu reduzieren oder die Sitzheizung einzuschalten. Es gibt richtige Schalter für Temperatur, Lüfter, Klimaanlage und – Gott sei Dank – einen Drehknopf für die Lautstärke des Premium-Soundsystems von Bose. Hyundai verdient für diese Designentscheidung ein großes Lob.
Eine Plattform und verwirrende Mathematik im Hintergrund
Das Auto basiert auf der vielgelobten E-GMP 400V-Architektur, die es sich mit dem verwandten Kia EV3 teilt. Doch Hyundai hat sich bei der Ausstattung etwas wirklich Kurioses einfallen lassen. Das Fahrzeug ist ausschließlich mit Frontantrieb erhältlich und kommt in zwei Hauptvarianten, die unsere gesamte Vorstellung von der automobilen Hierarchie auf den Kopf stellen.
Die Standard-Range-Version verfügt über eine 42,2 kWh LFP-Batterie, die einen 107,8 kW (147 PS) starken Elektromotor antreibt. Damit beschleunigt das Fahrzeug in 9,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Long-Range-Version hingegen ist mit einer größeren NMC-Batterie mit einer Kapazität von 61,0 kWh ausgestattet. Man könnte also erwarten, dass dieses teurere Modell mehr Leistung bietet, oder? Falsch gedacht! Die Ingenieure haben die Leistung auf lediglich 99,5 kW (135 PS) reduziert, und aufgrund des höheren Gewichts beschleunigt dieses Modell in deutlich gemächlicheren 9,6 Sekunden auf 100 km/h. Beide Versionen bieten das gleiche Drehmoment von 250 Nm, und die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 169 km/h begrenzt.
Es ist, als würde man extra für ein First-Class-Ticket bezahlen und dann vom Flugbegleiter Ruder bekommen mit den Worten: „Hier, mein Herr, rudern Sie jetzt, denn wir werden eine viel längere Strecke zurücklegen.“ Spaß beiseite, diese Maßnahme ist durchaus beabsichtigt und dient der maximalen Effizienz. Dank der geringeren Motorleistung und der größeren Batterie erreicht der Hyundai Ioniq 3 im strengen WLTP-Zyklus beeindruckende 496 km Reichweite, während die Standardversion immer noch solide 344 km schafft. Tests deuten auf einen beneidenswert niedrigen Kraftstoffverbrauch von rund 12,5 kWh pro 100 Kilometer hin.






Fazit: Sinn im scheinbaren Chaos
Fasst man die Meinungen von Journalisten weltweit zusammen, loben sie überwiegend die außergewöhnliche Fahrdynamik und die technologische Reife dieses kleinen Wagens, der in der Türkei für uns gefertigt wird. Trotz meiner persönlichen Bedenken hinsichtlich des Designs und der scheinbaren Design-Schizophrenie, bei der die Marke jedes neue Modell komplett neu entwirft und die Tradition ihrer Vorgänger ignoriert, muss ich ehrlich zugeben: Ich sehe darin etwas Positives und Erfrischendes. In einer Zeit, in der alle Elektroautos wie riesige Computermäuse aussehen, wagen sie es wenigstens, mutig und anders zu sein.
Der genaue Preis ist momentan noch etwas unklar, Experten gehen aber davon aus, dass er auf internationalen Märkten zwischen 35.000 und 40.000 Euro liegen wird. Damit tritt der Hyundai Ioniq 3 in direkte Konkurrenz zu Modellen wie dem äußerst beliebten MG4 und sogar seinem japanischen Schwestermodell, dem Kia EV3. Auf den ersten Blick mag der Ioniq 3 etwas ungewöhnlich wirken, und seine Beschleunigung an der Ampel ist nicht gerade berauschend. Doch die Rückkehr zu physischen Schaltern für wichtige Funktionen, die äußerst clevere Nutzung des Innenraums mit dem geräumigen Megabox-Stauraum und die vielversprechende Reichweite lassen etwas sehr Wichtiges erkennen: Die Ingenieure hatten bei der Entwicklung dieses Autos tatsächlich den Fahrer im Blick – denjenigen, der sich während der Fahrt über Touchscreens ärgert. Und in der heutigen digitalen Welt ist das wohl das Beste und Positivste, was man über ein neues Auto sagen kann.





