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Exeed Exlantix ES (2026): eine chinesische Limousine mit Robotaxi-Gehirn, die fast niemand kauft – aber das sollten sie.

860 km Reichweite, dachmontiertes LiDAR und die Rückkehr physischer Tasten

Exeed Exlantix ES 2026 v vožnji – srebrna premijska limuzina znamke Chery
Foto: Exeed

Der überarbeitete Exeed Exlantix ES (2026) bietet eine Reichweite von bis zu 860 km, eine 97,7-kWh-Batterie, das Falcon-700-System mit LiDAR und beschleunigt in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h – doch fast niemand kauft ihn. Testbericht der chinesischen Premium-Limousine von Chery.

Stellen Sie sich ein Auto vor, das 860 Kilometer (534 Meilen) ohne Pause zurücklegen kann, wie ein Rennwagen bremst und mit den Algorithmen eines Robotaxis denkt. Und jetzt stellen Sie sich vor, dass es innerhalb eines Monats 31 Mal verkauft wird. Willkommen in der Welt des neu gestalteten Exeed Exlantix ES, der vielleicht am meisten unterschätzten Limousine der Saison.

Die Premiummarke, deren Namen Sie noch nicht aussprechen konnten

Zunächst einmal klären wir die Namensverwirrung, denn es gibt wirklich viele verschiedene Bezeichnungen. Exeed ist die Premiummarke des chinesischen Automobilkonzerns Chery. In China heißt das Modell Sterra ES, international hingegen Exlantix ES. Ja, ich weiß. Drei Namen für ein und dasselbe Auto. Offenbar glauben die Chinesen, dass mehr Namen mehr Prestige bedeuten.

Und Reputation ist hier das Schlüsselwort. Im Dezember 2025 kündigte Chery die sogenannte EXEED 3.0-Ära an, die die Marke zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der drei deutschen Premiumhersteller machen soll. Dabei greift das Unternehmen auf fast drei Jahrzehnte Entwicklungserfahrung des Mutterkonzerns zurück – es handelt sich also nicht um ein Hobbyprojekt, sondern um einen gezielten Angriff auf die Spitze.

Der überarbeitete Exlantix ES des Modelljahrs 2026 wurde kurz vor dem Vorbestellungsstart am 10. Juni vorgestellt. Äußerlich hat sich fast nichts verändert – und das ist gut so. Die Limousine misst 4.945 mm in der Länge, 1.978 mm in der Breite und hat einen Radstand von 3.000 mm, womit sie eindeutig zur Oberklasse gehört. Noch beeindruckender ist der Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,205. Das ist einer der niedrigsten Werte aller Serienlimousinen weltweit. Anders ausgedrückt: Dieses Auto gleitet förmlich durch die Luft.

Die äußeren Änderungen sind dezent, aber wirkungsvoll. Der Heckstoßfänger wurde neu gestaltet, ein aktiver Heckspoiler hinzugefügt, größere Lufteinlässe in die Türen integriert und Sechskolben-Festsättel sind optional erhältlich. Die Elektroversion behält das adaptive LED-Lichtsystem, während die Langversion einen eigenen Kühlergrill erhält.

Seitenansicht des Exeed Exlantix ES 2026 mit LiDAR-Einheit auf dem Dach
Foto: Exeed

Gehirne, die in der Robotik trainiert wurden

Doch jetzt wird es interessant. Das größte neue Merkmal des überarbeiteten Modells ist das Fahrassistenzsystem Falcon 700. Und nein, das ist nicht einfach nur irgendein Tempomat mit Ambitionen.

Exeed zufolge basiert das System auf Algorithmen, die für Robotaxis entwickelt wurden. Vereinfacht gesagt: Das Auto hat gelernt, ohne Fahrer zu fahren. Das Sensorpaket umfasst 27 Sensoren, darunter elf Kameras, zwölf Ultraschallradargeräte, drei Millimeterwellenradargeräte und eine LiDAR-Einheit auf dem Dach. LiDAR liefert dem Fahrzeug zusätzliche Daten über seine Umgebung bei schlechten Sichtverhältnissen und im komplexen Verkehr, wo Systeme, die ausschließlich Kameras verwenden, oft versagen.

Das Ziel ist klar: Das System soll die Umgebung in der Stadt, auf der Autobahn und beim Parken präziser erfassen. Ob es tatsächlich so einwandfrei funktioniert, wie die Hersteller versprechen, wird sich im Straßenverkehr zeigen. Doch auf dem Papier handelt es sich um Technologie, die bis vor Kurzem nur in deutlich teureren Fahrzeugen zu finden war.

Die Rückkehr der physischen Schlüssel, Halleluja!

Innenraum des Exeed Exlantix ES 2026 mit Digitalanzeige und zentralem Touchscreen
Foto: Exeed

Und nun zu etwas, das ich am liebsten in Großbuchstaben schreiben und mit Feuerwerkskörpern umkreisen würde: Exeed hat die physischen Tasten des Exlantix ES wieder eingeführt.

Der Innenraum präsentiert sich weiterhin minimalistisch mit einem digitalen Kombiinstrument und einem freistehenden zentralen Touchscreen. Doch echte Schnellzugriffstasten sind auf der Mittelkonsole zurückgekehrt, und manuell verstellbare Lüftungsdüsen haben einige der bisherigen Touch-Bedienelemente ersetzt. Nachdem die Hersteller jahrelang alles hinter Bildschirmen versteckt hatten, schien jemand bei Chery einmal versucht zu haben, sein Auto im Regen zu fahren und sich gefragt zu haben, warum man um Himmels willen ein Menü aufrufen muss, um die Heizung einzuschalten. Dies ist wohl der gewagteste Schritt der gesamten Neugestaltung.

Das Herzstück der Kabine bildet nun ein hochmoderner Qualcomm Snapdragon 8295P-Chip in Kombination mit einem umfangreichen Carmind-Sprachmodell, das die neue KI-Kabine von Lingxi antreibt. Das Ergebnis soll ein schnellerer Sprachassistent, ein reaktionsschnelleres System und eine intelligentere Anpassung an unterschiedliche Situationen sein.

Fahrt: von sparsam bis 4,9 Sekunden

Felge und Sechskolben-Bremssättel Exeed Exlantix ES 2026
Foto: Exeed

Technisch gesehen bleibt der Exlantix ES unverändert, und das ist durchaus positiv. Die Bandbreite an Laufwerken ist erstaunlich groß.

Die Range-Extender-Version nutzt einen 1,5-Liter-Turbobenziner als Generator, der mit einem elektrischen System gekoppelt ist. Sie ist wahlweise mit 195 kW (265 PS) Hinterradantrieb oder 345 kW (469 PS) Allradantrieb mit zwei Motoren erhältlich. Beide Versionen bieten eine rein elektrische Reichweite von 255 km (158 Meilen) im CLTC-Zyklus, mit Allradantrieb sogar bis zu 1.645 km (1.022 Meilen). Mit dieser Reichweite werden Sie die nächste Tankstelle schnell vergessen.

Die vollelektrischen Versionen bieten Leistungen von 185 kW (252 PS) bis 353 kW (480 PS) und eine kombinierte Reichweite (CLTC) von bis zu 880 km, abhängig von Batterie und Antriebsstrang. Das Allradsystem Snow Leopard AWD 2.0 kombiniert intelligente Drehmomentverteilung zwischen den Achsen, Doppelquerlenker vorn und eine Fünflenkerachse hinten. Exeed gibt eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden und einen Bremsweg aus 100 km/h von nur 34,8 Metern an. Für eine Limousine von fast fünf Metern Länge sind das beachtliche Werte.

Akku und Reichweite, die viele in den Schatten stellen

Exeed Exlantix ES Motorraum mit EXEED-Kennzeichnung
Foto: Exeed

Die eigentliche Stärke liegt in der Elektroversion. Die neueste, der Regulierungsbehörde vorgelegte Spezifikation sieht eine 97,7-kWh-Batterie und eine Reichweite von bis zu 860 km (534 Meilen) im CLTC-Zyklus vor.

Das Auto basiert auf einer 800-Volt-Architektur, was bedeutet, dass es sehr schnell lädt. Laut Quellenangaben kann das System mit bis zu 420 kW laden, und die kürzere Batterieversion soll in etwa neun Minuten von 30 auf 80 Prozent geladen sein. Das reicht kaum, um einen Kaffee zu bestellen und zu trinken.

Vereinzelt gibt es Abweichungen zwischen den Quellen, insbesondere hinsichtlich der elektrischen Reichweite der Plug-in-Hybrid-Versionen, was bei chinesischen Markteinführungen nicht ungewöhnlich ist. Die Kernaussage bleibt jedoch dieselbe: Diese Limousine hat eine hohe Reichweite, lädt schnell und gibt sich nicht damit zufrieden.

Fazit: Die Technologie ist vorhanden, aber leider sind die Kunden es nicht.

Frontansicht des Exeed Exlantix ES 2026 – einer chinesischen Elektrolimousine
Foto: Exeed

Und nun zum traurigen Teil der Geschichte. Der Exlantix ES gehört in China zu den am schlechtesten verkauften Modellen von Exeed. Im April 2026 wurden lediglich 31 Einheiten abgesetzt, im Vormonat 147 und im letzten Sommer die Rekordzahl von 2.228 Einheiten. Ein Auto mit so viel Technologie, das fast niemand kauft – das ist eine jener Ungerechtigkeiten, die Ingenieuren wohl das Herz brechen.

Und doch muss ich etwas zugeben: Dieses Auto ist wirklich gut. Seine Reichweite stellt so manches teurere europäische Modell in den Schatten, seine Aerodynamik ist so gut wie die eines Stücks Seife, seine Intelligenz die eines Robotaxis, und – am wichtigsten – es hat wieder physische Knöpfe. Würde mich jemand fragen, ob ich es empfehlen würde, würde ich stumm nicken.

Die Preise für das Facelift 2026 sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt und werden voraussichtlich mit dem Vorbestellungsstart am 10. Juni veröffentlicht. Zum Vergleich: Die aktuelle Generation kostet in China zwischen 189.800 und 269.800 Yuan, was ungefähr 26.660 bis 37.950 US-Dollar bzw. etwa 24.500 bis 35.000 Euro (zum aktuellen Wechselkurs) entspricht. Das ist der Preis, den man in Europa für ein gut ausgestattetes Kompakt-SUV ohne besonderen Charme zahlt.

Der Exlantix ES ist nach wie vor ein Auto, das fast alles richtig macht – nur weiß es niemand. Und das ist vielleicht die typischste Geschichte der modernen Automobilindustrie: Während im Westen darüber gestritten wird, ob chinesische Autos gut genug sind, hat Chery still und leise eine Limousine entwickelt, die 860 Kilometer weit fahren kann und quasi von selbst denkt. Die Frage ist also nicht, ob sie gut genug ist. Die Frage ist, wann die Welt sie endlich wahrnimmt.

 

Mehr Informationen

Quellen und Haftungsausschluss: Dieser Artikel basiert auf einer offiziellen Veröffentlichung von CarNewsChina (veröffentlicht von Autohome am 8. Juni 2026) sowie auf Informationen von CarNewsChina (November 2025), EVMagz, GlobalChinaEV, Gasgoo, KrAsia und Wikipedia. Die technischen Spezifikationen des Facelifts von 2026 werden voraussichtlich weitgehend mit der aktuellen Generation übereinstimmen. Die endgültigen Spezifikationen und Preise werden mit Beginn der Vorbestellungen am 10. Juni 2026 bekanntgegeben. Währungsumrechnungen sind Näherungswerte und hängen von den aktuellen Wechselkursen ab. Abweichungen zwischen den Quellen werden im Text gesondert vermerkt.

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